Hasenfest 2010

Mein Wort zu Ostern

3. April 2010

Prolog

Heute mittag standen ein ein Mädel und eine große Mädel vor meiner Tür. Sie machen angeblich im Rahmen eines Jugendtages eine Umfrage. Nun gut, warum nicht, schließlich habe ich bei der letzten Wahl zwar mein Kreuzlein gemacht, aber nicht meine Stimme abgegeben und tue meine Meinung gerne kund. Und außerdem: Die Zunge ist das einzige Werkzeug, dass durch häufigen Gebrauch schärfer wird.

Was sagt ihnen »Ostern« persönlich?

Nichts. Ich stehe nicht auf Kreuzigungen. Ich sehe mir auch keine Horrorfilme an. Wissen Sie, ich habe weitestgehend funktionsfähiges Gehirn mit Spiegelneuronen und einer ziemlich durchschnittlichen Empfindungsfähigkeit – man nennt das Empathie – für die körperlichen Leiden anderer Menschen. Es könnte also gut sein, dass ich bei der Golgatha-Szene erbrechen muss.

Schon in der Schule haben mich am Geschichtsunterricht 2 Dinge gestört:

  1. Die waren alle schon tot – warum also mit diesen Menschen vergangener Zeiten befassen?
  2. Es ging immer nur um Mord und Totschlag. Für mich spritzte Blut aus allen Seiten des Lehrbuchs – ekelhaft. Man könnte auch sagen, Geschichte ist eine Sammlung brutaler menschlicher Fehlleistungen.

Aber lesen sie doch mal die sog. Bibel. Und zwar ganz von vorne: Mord in der Familie, Inzest, Massenvergewaltigung, Ermordung mehrere fremder Völker und verbrannte Erde, furchtbare Naturkatastrophen mit unglaublich vielen Toten uvam. grässliche Dinge. Und am Ende wird – gleich viermal die selbe Figur – brutal hingerichtet und krepiert 3 Tage lang. Warum haben sich die Autoren soviel Mühe gemacht diese Horrorgeschichten aufzuschreiben und auch noch so auschmücken? Heutzutage würde man so etwas als kriegsverherrlichend auf den Index für jugendgefährdende Schriften setzen. Oder zumindest als Splatter-Literatur unter die Ladentheke verbannen.

Was glauben Sie, wie finden Kinder zur Religion?

Nachahmung! Eine Grundfunktion des Gehirns nach der Geburt. Wir haben nun mal eines der lernfähigsten Hirne auf diesem unserem einzigen Heimatplaneten. Und da wir nur mit einem sehr kleinen Vorrat an Grundfähigkeiten auf die Welt kommen, müssen wir sehr schnell lernen. Und die einfachste Methode dürfte die stupide Nachahmung sein. Schauen Sie sich doch mal die Weltkarte mit der verteilung von Religionen an. Eben. Die Kinder übernehmen im Allgemeinen einfach von ihren Eltern.

Deswegen gibt es in China die kommunistische Staatsreligion (atheistisch, hierarchisch, zentralistisch). So ähnlich wie in der ehemaligen Sowjetunion.

In Europa gibt es derzeit diverse christlichen Splitter-Religionen (theistisch/deistisch, meist hierarchisch, nicht alle zentralistisch) Religionen. Davon glaubt eine Großgruppe an einen 3-teiligen Geist und ist extrem hierarchisch und zentralistisch organsisiert.

Ach ja und von 1933 – 1945 gab es in Deutschland die nationalsozialistische Staatsreligion (teils atheistisch, konkurrierend hierarchisch strukturiert) mit Adolf Hitler als Messias für ein vermeintliches arisches Abstammungsvolk (Fiktion des auserwählten Herrenvolkes). Die waren aber als Sekte (hohes Konfliktpotential mit Andersdenkenden) nicht kompatibel genug mit dem natürlichen Lebensraum- und Sicherheitsbedürfnis ihrer Nachbarländer und wurden dann eben platt gemacht. Hat man zumindest gedacht.

Danach gab es in der östlichen Hälfte des Nachkriegs-Deutschlands die realexistierend-sozialistische Staatsreligion (atheistisch, hierarchisch, zentralistisch)

… ach schauen sie doch einfach die Graphik in der Wikipedia nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Weltreligion

Woran ich Religionen festmache? Nun es gibt Dogmen, heilige Bücher die nicht in Frage gestellt werden dürfen und regelmäßige wöchentliche Versammlungen in denen Einer allen Anderen was eintrichtert. In der DDR nannte man das »Rotlicht-Bestrahlung«, das war der wöchentliche Parteiabend – mittwochs?

Wie? Nein, demokratische nicht-zentralistische Religionen hat es bei den meisten Religionen, die ich kenne nie gegeben. Hmm? Die einzige Religion ohne Hierarchien und Zentrale, die ich kenne ist der Diskordianismus. Da sind alle Papst.

Wer ist Jesus Christus für Sie?

Eine Romanfigur in so etwas wie Diplomarbeiten von Studierenden an griechischen Hochschulen in Judäa.

Menschen interessieren sich am ehesten für andere Menschen. Wenn man also Inhalte transportieren will, bietet es sich an eine Person dafür zu benutzen.

Ein Beispiel: Die Figur des Ermittlers »Kurt Wallander« ist so ein dramaturgischer Schachzug. Dieser hochmoralische Mensch, der sogar sein Privatleben seinem Durst nach Gerechtigkeit opfert, bleibt dennoch Mensch mit allen Schwächen und ständigem Zweifel an sich selbst. Diese fiktive Person ist damit ein sog. Symphatieträger wie ein Idol. Und diese Identifkationsfigur nutzt der humanistisch-sozialistische Autor Henning Mankell um seine Fragen an diese Welt und seinen Wunsch für eine bessere Welt darzustellen und Menschen dafür zu gewinnen.

Ich sehe das so: An den griechischen Hochschulen in Judäa von ca. 100 – 300 CE haben die unteren Klassen sich im Übersetzen geübt und lokale Texte aus diversen Quellen übersetzt. Die Fortgeschrittenen haben dann die gelernten Philosophien in Lehrromane verarbeitet. Irgendwann hat jemand z.B. für eine Abschlussfeier diese Texte geordnet, an den Übersetzungsübungen nachgebessert und – weil damals die Einzelperson nicht die Bedeutung hatte wie heute – ohne Autorennennung als Sammelband veröffentlicht. Eine der zig. verschiedenen religiösen Grüpppchen hat dann dieses Buch fälschlicherweise für so ernst genommen, dass er damit seine Religion reformiert und etwas Neues begonnen hatte.

Da sich die Studierenden an »heiligen« jüdischen Texten geübt haben, hat wahrscheinlich ein jüdischer Mob diese Hochschulen zerstört. D.h. wie üblich wurden die Alphatiere (Dozenten) ermordet und die Gebäude zerstört um die Erinnerung auszulöschen und Kulte zu verhindern. Wenn Ihnen das bekannt vorkommt – der Koran darf ja angeblich auch nicht übersetzt werden. Ach ja – ohne inhaltlichen Zusammenhang, nach der Kapitulation Großdeutschlands wurde auch der »Berghof«, die Rückzugsstätte des GröFaZ von den Siegermächten zerstört, damit dort kein Wallfahrtsort für Ewiggestrige entsteht.

Glauben Sie, dass Jesus für uns am Kreuz gestorben ist?

Nein. Obwohl es ein interessanter Aspekt ist, dass eine Volksgruppe ihre Besatzer dazu gebracht haben soll eine unerwünschte Person zu ermorden. Politik und Rhetorik haben eine lange Tradition.

Ach ja, eine Frage von mir, da sie sich da evtl. auskennen? Wo sind denn die 15 anderen sog. Evangelien geblieben?

Stört es Sie, dass trotz eines liebenden Gottes es soviel Leiden in der Welt gibt?

Möglichkeit 1: Es gibt keine Gott

Möglichkeit 2: Es interessiert sie nicht. Wir sind nur die »Laborratten« in einem ca. 13,7 Mrd. Jahre alten Versuchsaufbau

Möglichkeit 3: Sie ist nicht nett

Aber alle diese Fragen sind nicht beantwortbar. Damit muss man leben können. Die Theodizee-Frage dürfte ihnen wohl bekannt sein?

Am Rande: Vielleicht ist es nicht Jedem klar, aber die aktuelle, westliche Vorstellung von »fürsorglicher selbstloser Liebe« in der Paarbeziehung gibt es erst seit ca. 150 Jahren. Noch zu Beethovens Zeit hätte seine adlige verwitwete Geliebte bei einer Heirat mit ihm alle Erbrechte und – viel schlimmer – das Erziehungs- und Umgangsrecht mit ihren bereits existierenden Kindern verloren.

Gehen sie mal davon aus, dass vor ca. 2.000 Jahren in Judäa Frauen kaum mehr Wert waren als das Vieh. Sie waren lediglich die Brutgefäße für die Gene des Mannes und mussten auch noch ernährt werden. Eine Kuh kann mann wenigstens essen. »Liebe« wie z.b. in dem Satz »Liebe deine Feinde«, bedeutete damals wohl so etwas wie »Beachtung schenken, nicht ignorieren, nicht unterschätzen«. Im Falle von »Feindesliebe« eben: »Pass auf sie auf, unterschätze sie nicht! Beobachte sie! Lerne von ihnen, damit du sie besser wirst! So kannst du sie besser besiegen oder diesem neuen Wissen deinen eigenen Nutzen ziehen.«

Sind Sie an Bibelstudien interessiert?

Nein, ich lese lieber neuere Literatur. Wenn Sie da eine aktuelle Empfehlung über Evolutionspsychologie hätten? Über Neurophilosophie lese ich gerade ein tolles Buch. Und über unsere Sehwahrnehmung hätte ich gerne was aktuelles, das Buch in der Literaturliste von Vilayanur Ramachandran ist von 1985.

Ach da habe ich doch noch eine Frage, angesichts dessen, dass es Menschen gibt die 1700 Jahre alte vor-wissenschaftliche Literatur als Referenz für Alles im Leben sehen: Können sie mir einen guten Tipp geben, wie ich damit eine Kaufentscheidung für einen Geschirrspüler fällen kann?

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